Jahresausstellung 2021 (Rückblick)

Kataloge ab 2005

Katalog-Bestellungen unter: office@mkg1868.de

Liebe Freunde der MKG, liebe Künstler,

Seit vielen Monaten ist die Welt nicht mehr so, wie wir sie kannten. Unsere Welt ist aus den Fugen geraten. Ich brauche hier nicht zu referieren, wie und wo es geschieht – jeder von uns ist betroffen. An dieser Stelle geht es um Kunst und Kultur.

Kultur im Allgemeinen und Kunst im Besonderen lebt davon, sich zu zeigen. Kunst ohne Publikum bleibt immer noch Kunst, aber ohne ihre eigentliche Bestimmung – den Dialog mit dem Betrachter. Doch nicht nur ideell, sondern ganz profan hat es viele Kulturschaffende in diesen Monaten ökonomisch an den Rand des Möglichen gebracht. Resignieren ist möglich aber nicht sinnvoll. Wohl dem, der nicht alleine in dieser Situation eine Lösung finden muss.

Hier bewährt sich die Gemeinschaft. Hier und heute heißt diese Gemeinschaft „Münchener Künstlergenossenschaft königlich privilegiert 1868“. Schon das Jahr 1868 beinhaltet – betrachtet vom Jahr 2021 –, dass in den vergangenen Jahrzehnten so manche Krise überwunden werden musste. Gegenwärtig gibt es wieder eine, und auch die muss überwunden werden. Es entspricht der Wahrheit: Jede Krise beinhaltet in sich auch eine Chance. Diese Chance zu entdecken, ist die eigentliche Herausforderung.

Statt die Ausstellung in diesem Jahr ausfallen zu lassen, beschlossen wir, die Herausforderung anzunehmen und unsere Künstlergenossenschaft in die digitale Welt einzuführen. Gleichzeitig wollten wir aber auch die Tradition hochhalten und auch in diesem Jahr unsere Katalogreihe fortführen. Die digitale Ausstellung der MKG benutzt eine neue Kulturtechnik, die ihre Sichtbarkeit auf ein internationales Level hebt. Dies soll nicht nur für eine einmalige digitale Ausstellung in Corona Zeiten gelten, sondern die erarbeitete Plattform kann nach der Ausstellung von unseren Mitgliedern genutzt werden, um mit eigenen Soloausstellungen internationale Kontakte zu knüpfen.

Das Neue beinhaltet natürlich auch Zweifel und Fragen nach der Nützlichkeit. Hätte man nicht einfach die Ausstellung ausfallen lassen können? Die Antwort ist „nein“. Ich bin mir sicher, dass sich zu „normalen“ Zeiten niemand freiwillig der Herausforderung gestellt hätte, einen solchen digitalen Auftritt der MKG zu gestalten. Was dies an Zeitaufwand, Zoomkonferenzen und Motivation bedarf, weiß nur der, der es einmal gemacht hat. Hoffen wir, dass das Experiment gelingt. Ab diesem Jahr steht der MKG ein zweites Standbein zur Verfügung, mit dem sie ihre Künstler in die Öffentlichkeit bringen kann.

Lassen sie mich zum Schluss noch einen Ausblick auf das nächste Jahr geben, in dem wir wieder als Präsenz-Ausstellung erscheinen werden. Im Münchner Künstlerhaus, mit dem wir historisch verbunden sind, werden wir 2022 eine Ausstellung feiern unter dem Titel: „Zurück in die Zukunft“. Ich bin gewiss, dass wir dann wieder frei und gelöst das Leben und die Kunst genießen können!
Bis dahin verbleibe ich

Ihr Nikos W. Dettmer
Präsident

Unser Dank geht an

das Bayerische Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst
Staatsminister Bernd Sibler
Ministerialdirigent Stefan Graf
Leitende Ministerialrätin Barbara Lüddeke
für die Unterstützung und Bewilligung fördernder Mittel.

Wir danken
dem KUV (Künstlerunterstützungsverein).
dem Förderverein Malerei, Grafik und Skulptur e. V.
der FMDK und Prof. Dr. Claus Hipp.

Danke an das Münchner Künstlerhaus
Maja Grassinger
Birgit Gottschalk
Jennifer Ruhland
für die dauerhafte Unterstützung und die Realisierung der Eröffnungsfeier.

Bedanken möchten wir uns auch bei den Firmen, die durch ihre Anzeige in diesem Katalog die MKG unterstützt haben:
EUROPA LEISTEN
Galerie Frey
Kremer Pigmente
Kunstgießerei Andreas Hofmeister
Kunstgießerei München Hassan Göktepe
Kunstgießerei Otto Strehle
Kurt Petzenhammer Gemälderahmen
Thoma Galerie

Eröffnungsrede

Erstellt von Erika Nieberle, Mitglied des MKG-Vorstands.

Jahresausstellung 2020 (Rückblick)

Kataloge ab 2005

Katalog-Bestellungen unter: office@mkg1868.de

Liebe Freunde der MKG,

in den Jahren 2018 und 2019 hat die MKG Persönlichkeiten geehrt, die sich um die Kultur in München verdient gemacht haben. In diesem Jahr ehren wir einen Verein, der sich seit Jahrzehnten für das Wohl von Künstlern einsetzt. Gemeint ist das Paul Klinger Künstlersozialwerk, das 2019 sein 45-jähriges Bestehen gefeiert hat. Ich freue mich persönlich über unsere Wahl, da ich das Privileg hatte, selber einige Jahre dem Vorstand des Paul Klinger Künstlersozialwerkes anzugehören. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie sehr diese Organisation Künstlern aller Sparten bei der Bewältigung ihrer Alltagsprobleme zur Seite stand und steht.

Die Wahl, Kunst als Beruf ausüben zu wollen, hat seine Konsequenzen. Die meisten treffen diese Wahl schon sehr früh. Eigentlich eher unbewusst, ohne sich über eben diese Konsequenzen bewusst zu sein. Nicht von ungefähr wird dem Künstler ein gewisser Realitätssinn abgesprochen, den der Alltag von jedem fordert.

Und doch kann man sich allerdings fragen, ob dieser fehlende Realitätsbezug nicht zur Psychologie des Künstlers gehört. Denken wir an die Bemerkung von Max Reinhardt, dass der Künstler ein Mensch ist, der die Kindheit in die Tasche gesteckt hat, um damit weiter zu spielen. Das Spiel eines Kindes ist ohne Verantwortung, angebunden an etwas Überraumzeitliches, das noch nicht vom Fluss der eigenen Gedanken blockiert wird. Das Bewusstsein von Gefahr und der Gedanke an Vorsorge stehen noch nicht im Zentrum der eigenen Gedankenwelt. Mit den Jahren gewinnt die Balancierung zwischen den Forderungen der Außenwelt und den Forderungen der nach Ausdruck ringenden Innenwelt immer mehr an Brisanz.

Im Alltag wird die wahre Kunst zur Ware „Kunst“, sofern man von künstlerischer Tätigkeit leben möchte. Gefordert werden Stetigkeit und Reproduzierbarkeit des eigenen Könnens. Im Gegensatz zu bildenden Künstlern haben es Schauspieler und Musiker einfacher, falls es Ihnen gelingt, in den Institutionen wie Theater und Orchester einen Platz zu ergattern. Doch auch ihnen droht die Sorge um Altersversorgung und zeitweiser Arbeitslosigkeit.

Vielen mögen diese Aspekte des Daseins als Berufskünstler als unromantisch erscheinen. Im Bewusstsein des jugendlichen Künstlers hat diese Problematik wenig Platz. Zu groß erscheinen die Möglichkeiten des Lebens. Aber schon nach einigen Jahren nehmen die ökonomischen Probleme immer größeren Platz ein. Nur sehr wenigen gelingt der durchschlagende ökonomische Erfolg in relativ kurzer Zeit. Hier haben wir es meist mit Künstlern aus der Musikbranche zu tun. Aber auch dort sind es wenige, die über Jahrzehnte einen kontinuierlichen Erfolg erleben können. Im Raum der bildenden Kunst sind es ca. 2 von 100 Künstlern, die nur von der Produktion ihrer Kunstwerke leben können. Oft werden Kompromisse geschlossen, die aus Nebentätigkeiten oder Kursangeboten bestehen.

Viel wäre zu diesem Thema noch zu sagen. Aber wie wir wissen, ist Diagnose der unpraktische Weg hin zu einer Verbesserung. Den praktischen Weg schlug der Schauspieler Paul Klinger in den sechziger Jahren ein, als er sich persönlich um die beruflichen Voraussetzungen seiner Schauspielkollegen einsetzte. Hieraus entstand im Laufe der Jahre das Paul Klinger Künstlersozialwerk, das sich heute um die Probleme in allen künstlerischen Sparten kümmert. Seien es Fragen zu Altersversorgung, Mediation zwischen Künstler und Künstlersozialversicherung oder kurzfristiger finanzieller Unterstützung in persönlichen Notlagen. Diesen, für viele Künstler segensreichen Verein, wollen wir heute ehren. Wir wünschen uns, dass der Verein in den nächsten Jahren weiter gedeiht und in seinen Möglichkeiten wächst.

 

Nikos. W. Dettmer

Eindrücke zur Vernissage

Der Film zur Jahresausstellung (Kurzfassung)

Erstellt von Erika Nieberle, Mitglied des MKG-Vorstands. Bestellung der Langfassung (DVD) unter office@mkg1868.de.